Die Bibliothek mit nur einem Buch


POSTED BY 30-03-2016
  by Harald Klein





Eine Geschichte

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„Die Bibliothek mit nur einem Buch“

Schon immer wollte ich mal diese großartige Bibliothek besuchen. Eines Tages war es dann soweit. Über dem Eingang konnte man in Stein gemeißelt die riesigen Buchstaben lesen: „Mit Ewigkeitswert“ (1Kor 3,12-14)

Ich ging durch die große Eingangstür und auf meinem Weg in die Bücherei dachte ich: „Eine Bibliothek - mit nur einem Buch?“

Die nächste Tür führte mich in einen Raum, wo auf der linken Seite an der Wand ein einzelnes sehr langes Bücherregal angebracht war. (...) Als ich näher kam, konnte ich sehen, dass dort sehr, sehr alte, originale Bibeln standen.

Es war mir nicht möglich zu lesen, was auf dem Umschlag der ersten Bibel stand. Aber auf einem kleinen Schild war „Bibel in griechischer Sprache von 325 n. Chr.“ geschrieben. Daneben stand eine andere wirklich alte Bibel, die Armenische, geschrieben im Jahr 412 n. Chr. (...)

Alle Bücher hier waren Bibeln in den verschiedensten Sprachen der Erde. Ausgezeichnet mit dem Jahr der Fertigstellung und entsprechend ihres Alters im Regal einsortiert. Ich bewegte mich langsam, einen Meter nach dem anderen, am Bücherregal entlang. Zehn Meter, zwanzig Meter und dann stand ich genau vor der Bibel von 1384, die von John Wycliff ins Englische übersetzt wurde. Und dann vor der von Martin Luther, der die Bibel 1524 in die deutsche Sprache übersetzt hatte. Nach knapp hundert Metern entdeckte ich im Weitergehen Bibeln, die noch nicht so alt waren und auch vom Druck her neuer aussahen. Auf jedem Schild stand das Datum, die Sprache und der Name der jeweiligen Volksgruppe, für die Gottes Wort übersetzt worden war. Von den meisten dieser Sprachen und Volksgruppen hatte ich noch nie zuvor gehört. (...)

Als ich mich weiter am Bücherregal entlang bewegte, kam ein mir bekannter deutscher Missionar in die Bibliothek. Ich fragte ihn: „Hey Frank, was machst du denn hier?“ In diesem Moment stellte er eine neue und frischgedruckte Bibel an die erste freie Stelle dieses sehr, sehr langen Bücherregals. Dabei sagte er: „Ich bin gerade von Papua-Neuguinea zurückgekommen, von der Volksgruppe Abau, bei der wir gelebt haben. Und das ist die Bibelübersetzung in ihrer Sprache. Deswegen bin ich hierhergekommen, um diese fertige Übersetzung, die Abau-Bibel, an ihren Platz zu stellen.“

Ich war so überrascht, weil ich Frank zuletzt vor ein paar Jahren gesehen hatte. Ich wusste, dass er in Papua-Neuguinea (PNG) als Missionar lebte. Aber die fertige Bibelübersetzung in der Abau-Sprache zu sehen, an der er mit seinem Team so lange gearbeitet hatte, war überwältigend für mich. Ich fragte ihn: „Wie viele Jahre habt ihr an dieser Bibelübersetzung gearbeitet? Und wie viele Jahre habt ihr dort mit den Abau gelebt?“ Frank antwortete: „Wir waren über 14 Jahre in PNG. Aber nun sind wir wieder zurück, denn unsere Arbeit ist getan. Nun gibt es dort eine Gemeinde von Gläubigen, die jetzt auch Gottes Wort in ihrer Sprache hat.“ Im nächsten Moment sagte Frank: 
„Oh, ich muss wieder los“, und ging Richtung Ausgang. Ich fragte ihn noch schnell: „Wo musst du hin?“ Er antwortete nur: „Ich muss gehen!“, und weg war er.

So drehte ich mich erneut um zum Bücherregal und entnahm vorsichtig die Abau-Bibel. In dem Augenblick, als ich sie öffnete, hörte ich hinter mir eine Stimme, die sagte: „Bitte erzähle den Leuten, wo immer du hinkommst, dass der Missionsauftrag noch nicht erledigt ist. Wir brauchen noch so viele Gläubige, die mithelfen!“ Als ich nachschauen wollte, wer es war, konnte ich nur noch Franks Schatten durch die Tür huschen sehen. (...)


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